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Z u r G e s c h i c h t e d e r K i r c h e n g e m e i n d e

 

Die Ev.-Luth. Kirchengemeinde liegt am Südhang des Wiehengebirges, im Westen angrenzend an das Land Niedersachsen bzw. die Hannoversche Landeskirche, im Norden an den Kirchenkreis Lübbecke. Sie besteht aus zwei Bezirken: 1) Nordteil von Ostkilver, Rödinghausen und der größte Teil von Schwenningdorf, 2) Bieren und der östliche Teil von Schwenningdorf. Zu ihr zählen sich ca. 4100 Gemeindeglieder. An Gebäuden gehören ihr zwei Kirchen, zwei Gemeindehäuser (Bieren und Schwenningdorf), Haus an der Kirche in Rödinghausen mit Gemeindebüro und Kirchencafé, frühere Kantorei mit Diakoniestation und Altes Pfarrhaus auf der Wehme.

Die Kirche in Rödinghausen gehört zu den herausragenden Bau- und Kunstdenkmälern der Gemeinde Rödinghausen und wird bereits 1233 urkundlich erwähnt. Damals war sie Patronatskirche der Äbtissin von Herford. Möglicherweise hat sie noch viel früher als Holzkirche bestanden. Wilhelm v.d.Bussche, Erbherr zu Waghorst, hat die Kirche 1509 vergrößern lassen, ihr gotische Formen gegeben und 1520 den geschnitzten Flügelaltar gestiftet, der in 13 Bildern die Passionsgeschichte Jesu, Kreuzigung, Auferstehung, Himmelfahrt und Jüngsten Tag zeigt. Aus dem Jahr 1596 stammt eine Bibel in plattdeutscher Sprache, von der es in Bibliotheken in Hamburg und Göttingen noch zwei weitere Exemplare gibt. 1816 entstand durch einen Brand in einer benachbarten "Bude"(wohl eine Seifenkocherei) eine großer Schaden an der Kirche, die nur deshalb nicht völlig abbrannte, weil viele halfen, das Feuer zu löschen und es riskierten, daß ihre eigenen Häuser abbrannten - darunter auch der Oberschulten Hof, insgesamt 11 Gebäude im Süden und Westen der Kirche. 1893 erweiterte man das Mittelschiff durch Querhausarme. Die schön gebaute Kirche zog immerhin im letzten Jahr allein über 2000 Besucher außerhalb von Gottesdiensten an. Über die Geschichte der Pastoren von ca. 1400 bis ins letzte Jahrhundert gibt das Rödinghauser Predigergedächtnis von A.G. Schlichthaber Auskunft. Zur Reformationszeit gab es drei Geistliche in Rödinghausen. Die erste Pfarrstelle wurde damals bisweilen aus politischen Gründen besetzt, 1528 z.B. mit einem Amtmann. Die zweite Stelle, auch von Wilhelm v.d. Bussche gestiftet, war eine Vikarie. Öfter versieht auch ein Kaplan Dienst, wie z.B. Jost Deterding, von dem bei einer Visitation 1533 bekannt wird, daß er seine Magd geheiratet hat und das Abendmahl in beiderlei Gestalt austeilt. Auch die anderen Geistlichen "haven ein jeder ein bi sich, ein person, damit sie kinder haven". Bereits zu reformatorischer Zeit hat St. Bartholomäus zwei "Filialen" in Bieren und Westkilver. Die Kirche in Bieren wurde 1908 als Nachfolgerin einer in Fachwerkbauweise ausgeführten Kapelle - "Klus" genannt - errichtet, nun ganz aus Bruchstein. Der Altarraum mit Sakristei und Taufkammer ist an der Stirnseite des Gebäudes als Halbkreis an das Kirchenschiff angefügt. Die Kirchengemeinde Westkilver, wo seit dem 15. Jh. eine Kirche steht, wurde 1911 und endgültig 1928 von Rödinghausen selbständig.

Aus der Nazi-Zeit ist eine Anekdote über einen kleinen Akt Rödinghauser Widerstands zu berichten: Der von Hitler ernannte Reichsbischof Ludwig Müller (von 1909 bis 1913 Pfarrer in Rödinghausen) wollte am 25.4.1935 "in seiner früheren Gemeinde einen Gottesdienst halten (und bittet) um Überlassung der Kirche". Das Presbyterium beschließt nach langer Aussprache in namentlicher Abstimmung mit 6 gegen 5 Stimmen, "zu Veranstaltungen der Deutschen Christen, also auch zu Gottesdiensten durch den derzeitigen Reichsbischof, trotz aller gebotenen Rücksichtnahme auf unseren früheren Gemeindepfarrer (...) unsere Kirche, kirchliche Gebäude und Einrichtungen nicht zur Verfügung zu stellen". Müller reist an und findet die Kirche verschlossen. Pastor Beckmann ist unterwegs und der Schlüssel nicht zu finden.

Heute bestehen folgende Gruppen und Kreise in beiden Pfarrbezirken, die die Gemeindearbeit tragen und beleben:
Singkreis (gegr. 1927,1934),
Posaunenchor (gegr. 1880,1906)
ebenso mehrere Frauenkreise,
CVJM mit verschiedenen Kinder- und Jugendgruppen,
Krabbel- und Spielgruppen;
Hausbibelkreis;
Bastel- und Handarbeitskreise in Bieren.
Zwei Suchtkrankenvereine bringen sich seit über 20 Jahre durch Treffen in den Gemeindehäusern sowie Evangelisationswochen und Bazare ebenfalls in die Gemeindearbeit ein.
Das im Juni jeden Jahres gefeierte Missionsfest in Bieren, dem heute mehrere Verkündigungsabende vorausgehen, fand zuerst 1909 auf Buntemöllers Hof in Dono, später auf verschiedenen Höfen bis zuletzt Meyers Hof an der Bierener Kirche statt.
Der 1892 gegründete CVJM betreibt seit sieben Jahren eine Partnerschaftsarbeit mit dem YDP (Youth Developmant Project) in Freetown, Sierra Leone (Westafrika). Dort wurde eine gut funktionierende, inzwischen fast selbständige Tischlerei-Lehrwerkstatt aufgebaut. Die Beziehung zwischen den Vereinen wird durch keine Zwischeninstanzen gestört; durch jährliche Besuche und viele Briefe ruht die Arbeit auf dem Fundament persönlicher Kontakte.

 

English Version

History of the Church at:

Rödinghausen, Deutschland

 

St. Bartholomew

Translated by Norman Braun

Edited by Alan Nabring

1999

 

The Evangelical Lutheran Church congregation lies on the southern side of the Wiehengebirge hills, on the western border of Lower Saxony; that is, in the Hanover church district, with the church district of Lübbecke to the north. It consists of 2 parts:

 

  1. The northern part of Ostkilver, Rödinghausen and the greater part of Schwenningdorf.
  2. Bieren and the eastern part of Schwenningdorf.

 

There are about 4100 members in this community. As far as buildings go there are two churches, two congregation homes (Bieren and Schwenningdorf), and a house at the church in Rödinghausen with an office and a church café, formerly a choir and deacon station and an old parsonage on the Wehme River.

 

The church in Rödinghausen was already mentioned in the documents in 1233. At that time it was the patron church of the Abbess of Hereford. It is quite possible that there was a wooden church on this site much earlier. Wilhelm von d. Bussche, Erbherrof Waghorst, had the church enlarged in 1509. It gave it a gothic appearance, and he donated the carved wooden winged altar (triptych) in 1520. This portrayed 13 scenes of the Passion history of Jesus including the crucifixion, resurrection, ascension and judgment day. A bible in Plattdeutsch (low german) dates back to 1596. There are only two more of these bibles: one in the Hamburg library; and the other in Göttingen. There was much damage to the church in 1816 caused by a fire in a nearby shed, which was a soap factory. Many people helped in putting out the fire. They risked damage to their own homes and the nearby mayor’s estate with 11 buildings to the south and the west of the church.

(The beautifully built church has attracted over 2000 visitors during the last year over and above those who attend services.)

 

In 1893 the nave of the church was widened. There is information from about 1400 to the last century given by various pastors. During the Reformation there were three clergymen in Rödinghausen . A secular person held the first parish position at times for political reasons. For instance in 1528 a district magistrate held it. Wilhelm von dem Bussche endowed the second position. It was a vicarage. More often a chaplain served, as for example, Jost Deterding, who visited her in 1533, who married his maid and used both elements in Holy Communion. A record says in the German dialect of the time that each priest had a wife by whom he could have children. Already in Reformation time St. Bartholomew church had two branch churches. (Bieren and Westkilver) The church in Bieren was succeeded by one in 1908, built in half-timber style as a chapel, mainly of brick. The sanctuary with the sacristy and baptistery was finished in cross-form. The Westkilver church congregation, where a church stood since the 15th century became an independent church in 1928.

 

During Nazi times there is a little story about the resistance movement in Rödinghausen. Reichsbishof Ludwig Müller nominated by Adolph Hitler (who had been Rödinghausen pastor from 1909 to 1913) wanted to hold a service at his former church and requested that the church be abandoned. The administration of the church voted 6 against and 5 not to close the church. When Bishop Müller traveled to the church he found it locked. Pastor Beckman met him but the key could not be found.

 

 

The following agencies of the church in both districts carry out the work of the church.

 

  • Singing Circle (founded 1927,1934)
  • Brass Choir (founded in 1880, 1906)
  • YMCA with various children and youth groups
  • Drama groups
  • Home Bible study groups
  • Craft groups in Bieren
  • Two groups dealing with drug addicts in Bieren
  • Mission Festivals in Beiren in June each year(beginning on Buntemöller’s farm in Dono in 1909 until last of all on Meyer’s farm at the Bieren Church)

 

The YMCA, founded in 1892, carried on during the past 7 years a partnership with the Youth Development Project in Freetown, Sierra Leone, West Africa. There they have a kind of "Habitat for Humanity" project. The authorities did not disturb the relationship: he work depends upon annual visits, many letters and personal contact.

 

 

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Last Updated: Thursday, January 10, 2002